

Die Manuelle Medizin gehört zu jenen Verfahren innerhalb der Medizin, die aufgrund ihrer unmittelbaren Zuwendung zum Patienten eine Basis gegenseitigen Vertrauens schaffen können. Dieses Vertrauen bildet die Grundlage, um im Gespräch mit dem Patienten die Möglichkeiten und Grenzen einer Behandlung herzuleiten und ihm die Verarbeitung und die Akzeptanz nicht-behandelbarer Symptome zu erleichtern. Ein solcher Vorteil in der Arzt-„Patient“-Beziehung bleibt jedoch nur so lange wirksam, wie die Manuelle Medizin ihre Grenzen erkennt und dem allgemeinen Trend zur Omnipotenz in der Medizin widersteht.
Die sozioökonomische Bedeutung der Manuellen Medizin
Die manuelle Behandlung hat sich aus der Empirie entwickelt in dem Ärzte beobachteten, dass bestimmte Griffe an der Wirbelsäule bestehende Rückenschmerzen unmittelbar oder mit einer Latenz zu mildern vermochten.
Gegenwärtig werden in der Schweiz in der freien Praxis pro Jahr an die 4 Mio. Konsultationen den Wirbelsäulenproblemen gewidmet. Bei den grundversorgenden Ärzten in der Schweiz betreffen 13% aller Konsultationen die Diagnose „Rückenschmerzen“. Nach Erkrankungen von Herz und Kreislauf ist dies die zweithäufigste Ursache für einen Arztbesuch. Diese Zahlen stützen sich auf eine Auswertung des Schweizerischen Institutes für Medizinische Statistik (Zeitperiode 1988-1989).
Seit 1983 nehmen diese Zahlen stetig zu, während die Herz- und Arterienerkrankungen eine leicht fallende Tendenz aufweisen. Fast ein Drittel (29.7%) der Pensionierungen wegen verminderter Arbeitsfähigkeit gehen auf Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates zurück. Sie stehen damit an erster Stelle der Gründe für eine Frühpensionierung. In der grundversorgenden Arztpraxis erscheinen etwa 42% der Patienten wegen Beschwerden am Bewegungsapparat.
Im allgemeinen leiden in den westlichen Gesellschaften 14 - 18% der gesamten Bevölkerung an Kreuzschmerzen und 13 - 16% an Nackenschmerzen, davon ein Drittel an chronischen Symptomen. Die kürzlich publizierten und vorgestellten klinischen Studien, welche die therapeutische Effizienz der manuellen Therapie mit herkömmlichen Verfahren vergleichen, zeigen, dass die manuelle Therapie nicht nur bei der Behandlung von akuten, sondern auch bei chronischen Schmerzsyndromen der Wirbelsäule anderen Verfahren überlegen ist.
Die holländische Studie des Instituts für Manuelle Medizin weist darauf hin, dass die rückenschmerzbedingte Arbeitsunfähigkeit durch eine gezielte manuelle Therapie signifikant verkürzt werden kann. Von der gleichen Forschergruppe wird auch die kostensparende Überlegenheit der manuellen Therapie im Vergleich mit Physiotherapie dargelegt.
Koes (1991, 1994) zeigt, dass beim grundversorgenden Praktiker gezielte manuelle Therapie bei Rückenschmerzen einem herkömmlichen Behandlungskonzept sowohl bei Kurzzeit- wie auch bei Langzeitverläufen überlegen ist. Auch im Vergleich mit konventioneller Physiotherapie ist im Langzeitverlauf die manuelle Therapie in Bezug auf das Behandlungsresultat wie auch auf die Anzahl Behandlungen überlegen.